Verschiedenes motiviert Menschen, Priester zu werden:

die Freude an der Liturgie, spirituelle oder biographisch einschneidende Erfahrungen, die Motivation, anderen von der frohen Botschaft des Glaubens zu künden und ihnen caritativ zu dienen. Aber auch die Kirche braucht das geweihte Amt. Sie bedarf der Männer, die in persona Christi capitis das Wort Gottes verkünden, die Sakramente feiern und Leitung als Dienst an der Einheit ausüben. Das Spezifische des geweihten Amtes liegt dabei nicht auf der funktionalen Ebene.

Im Anschluss an das Zweite Vatikanische Konzil geht es vielmehr darum, dass der Priester geweiht ist, um Christus als Haupt zu repräsentieren und in Folge die Verantwortung und Vollmacht hat, in den Grundvollzügen der Kirche das Voraus Gottes wirkmächtig zu aktuieren. Genau dies tut er aber nicht für sich, sondern immer für andere. Folglich ist das priesterliche Amt ein Dienst, der aus dem Volk Gottes kommt und für das Volk Gottes da ist. Priestersein heißt nicht, außerhalb oder über der Kirche zu stehen. Priestersein heißt, innerhalb der Gemeinschaft der Getauften den Getauften dienen, indem man ihnen ermöglicht, ihre je persönliche Berufung zum Christsein zu finden, zu vollziehen und zu leben. 

Hinsichtlich einer Ausbildung, die dieses Verständnis fördert, ist das Bischöfliche Priesterseminar Borromaeum in seiner jetzigen Gestalt ein Vorreiter. Schon einige Jahre ist die Priesterausbildung eingebettet in eine Hausgemeinschaft von Getauften, was für alle eine echte Win-Win-Situation ist. Für die Priesteramtskandidaten ist es ein Gewinn, im Kontext derer ausgebildet zu werden, für die sie den priesterlichen Dienst einmal übernehmen. Und für interessierte Getaufte ist es ein Gewinn, mit Priesterkandidaten und den Hilfestellungen, die ein Priesterseminar klassischerweise bietet, der eigenen Berufung auf die Spur kommen zu können. Somit stärkt dieses Haus das Bewusstsein, dass jeder Getaufte von Gott zum Priester, König und Propheten gesalbt und dazu berufen ist, auf seine je eigene Weise dieser Berufung zu folgen und so ein erfülltes Leben zu führen. Zugleich bereitet es die Priesteramtskandidaten auf ihren spezifischen und besonderen Dienst vor.

Berufung und Weg
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Ausbildungsverlauf
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