In der Priesterausbildung unterscheiden wir vier Dimensionen, die in allen Ausbildungsphasen eine Rolle spielen:
Keiner der Interessenten muss in dieser Hinsicht schon „perfekt“ sein. Wir erwarten aber von allen Priesterkandidaten, dass sie bereit sind, zu lernen und sich auch persönlich zu entwickeln. Deshalb geht es im Priesterseminar immer um Wachstum – und zwar in allen vier genannten Dimensionen.
Die Ausbildung beginnt mit einer sog. propädeutischen, also vorbereitenden Phase. Dazu nehmen künftige Priesterkandidaten als sogenannte Propädeutiker im Regelfall am ►BORROMAEUM Sprachenjahr (öffnet in neuem Tab) teil, das dem Erlenen der biblischen Sprachen (Hebräisch und Griechisch) sowie des Lateinischen dient. In der propädeutischen Phase bekommen die Kandidaten zudem eine grundlegende Einführung in das geistliche Leben: Welche Formen von Gebet gibt es? Welche Bedeutung hat die Feier der Sakramente? Wie kann das Leben als Priester nach den evangelischen Räten der Armut, des Gehorsams und der Ehelosigkeit gelingen?
Ebenfalls zur propädeutischen Phase gehört die intensive Beschäftigung mit der Heiligen Schrift. Die Propädeutiker lesen die Bibel vom Anfang bis zum Ende und lernen so den ganzen Bogen der Geschichte Gottes mit den Menschen kennen. Wenn die politischen Verhältnisse es zulassen, vertieft eine Pilgerfahrt ins Heilige Land dieses Kennenlernen.
Die meisten Priester sind in der Seelsorge in Kirchengemeinden tätig. Darum gehört auch ein vierwöchiges Gemeindepraktikum zur propädeutischen Phase. Viele Interessenten am Priesterberuf bringen schon sehr breite Erfahrungen aus ihrem ehrenamtlichen Engagement z.B. in ihrer Heimatgemeinde mit. Da ist es um so wichtiger, das Leben einer Kirchengemeinde einmal aus der Perspektive eines Priesters kennen zu lernen.
Der Dienst des Priesters ist wesentlich ein Dienst für die Menschen. Was es aber ganz grundlegend heißt, für Menschen da zu sein, erfahren die künftigen Priesterkandidaten während der propädeutischen Phase in einem zweimonatigen Pflegepraktikum in einem Krankenhaus, Altenheim oder einer Einrichtung für Menschen mit Behinderungen.
Darüber hinaus gibt es in der propädeutischen Phase Einführungskurse in die Philosophie und Theologie, in Gruppendynamik sowie in Stimmbildung und Rhetorik. Auch eine umfassende ►Präventionsschulung ist Bestandteil dieses Ausbildungsabschnitts.
All das ist eingegliedert in die Hausgemeinschaft des Collegium Borromaeum mit all ihren spirituellen und gemeinschaftlichen Aktivitäten.
Wer Priester werden will, muss Theologie studieren. Abhängig von den schulischen Voraussetzungen, die ein Interessent mitbringt, geht es daher nach der propädeutischen Phase mit dem Studium der katholischen Theologie weiter.
Wer Abitur hat, studiert dazu normalerweise an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster. Die Regelstudienzeit für den Masterstudiengang beträgt zehn Semester, also 5 Jahre, wobei das dritte Jahr in der Regel an einer anderen Universität und jenseits eines Priesterseminar verbracht wird (=Externitas oder “Freisemester”). Während des Studiums in Münster wohnen die Priesterkandidaten zusammen in den Wohngemeinschaften des Priesterseminars Borromaeum. Über das Studienprogramm der Fakultät hinaus gibt es ein für Priesterkandidaten verpflichtendes Ausbildungsprogramm im Seminar. Dazu zählen das gemeinsame (Stunden-)Gebet, die regelmäßigen Eucharistiefeiern und anderen Gottesdienste, die Stimmbildung, Rhetorikkurse, Kurse zur Theologie und zum geistlichen Leben, soziales Engagement, Exkursionen, thematische Wochenenden, Einkehrtage, Exerzitien, Praktika und Mitarbeit z.B. in katechetischen Projekten in einer Kirchengemeinde.
Wer kein Abitur, aber eine abgeschlossene Berufsausbildung hat und bereits mindestens 25 Jahre alt ist, kann im ►Spätberufenenseminar Lantershofen (externer Link, öffnet in neuem Tab) Theologie studieren und dort einen kirchlich anerkannten Abschluss erwerben. Die Anmeldung in Lantershofen geschieht über die Ausbildungsleitung des Priesterseminars Borromaeum in Münster.
Schließlich ist es auch möglich, das Abitur in einem kirchliche begleiteten Rahmen nachzuholen.
Nach erfolgreichem Abschluss des Studiums geht es mit einem Jahrespraktikum in einer Kirchengemeinde in unserem Bistum weiter. Während die bisherigen Gemeindepraktika in der Ausbildung eher Hospitationspraktika waren, sollen die Priesterkandidaten nun als pastorale Mitarbeiter alle Bereiche der Pastoral kennenlernen und in verschiedenen Bereichen selbst verantwortlich tätig werden, dabei geht es u.a. um Jugendarbeit, Predigtübungen, Wortgottesfeiern und um die Arbeit mit Gruppen und Gremien. Jenseits der Arbeit in der Gemeinde sind der Pastoraltheologische wie der Pastoralpsychologische Kurs Bestandteil dieser Zeit. Beide Kurse finden in Form von Kurswochen statt, die gemeinsam mit den anderen pastoralen Berufsgruppen absolviert werden. Zudem gibt es eine Schulausbildung im Religionsunterricht mit einer Mentorin oder einem Mentor.
Die Pastoralkurse vor der Diakonen- und der Priesterweihe dienen vor allem der praktischen und der weiteren geistlichen Vorbereitung auf den Dienst als Diakon und als Priester. Dazu kommen die Priesterkandidaten aller nord- und mitteldeutschen Diözesen zusammen für mehrere Wochen in Hamburg, bzw. Paderborn zusammen und werden u.a. in liturgischen Übungen auf Taufen, Trauungen, Beerdigungen etc. vorbereitet.
Nach der Priesterweihe sind die Neupriester zunächst gewöhnlich für vier Jahre als Kapläne in einer Kirchengemeinde unseres Bistums tätig und übernehmen als Teil des Seelsorgeteams vor Ort alle Aufgaben eines Priesters. Am Ende der vier Jahre steht das Pfarrexamen. Dazu gehört eine wissenschaftliche Arbeit zur Reflexion eines pastoralen Projektes aus der Seelsorge sowie ein literaturbasiertes theologisches Kolloquium. Mit dem bestandenen Pfarrexamen kann ein Priester ordentlicher Pfarrer einer Kirchengemeinde werden.
Einmal im Jahr kommen die Priester unseres Bistums zu einer Fortbildungswoche ins Priesterseminar. Dabei geht es um Studieninhalte aus verschiedenen Bereichen der Theologie, der pastoralen Praxis, der Kunst etc. Teil der Fortbildungswoche ist auch ein Besinnungstag sowie eine Begegnung mit unserem Bischof in der gemeinsamen Eucharistiefeier und im Gespräch mit dem Fortbildungskurs.
Auf ►dieser Seite können Sie einen Eindruck der anstehenden Kurse, Themen und Referenten gewinnen.